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Interview Didier Denat

«Firmen müssen smart investieren»

Der Verwaltungsratspräsident der SVC – AG für KMU Risikokapital (SVC AG) präsentiert seine neue Strategie, er erklärt, wie er die Zusammenarbeit mit der Credit Suisse verstärken möchte und er stellt sich dem Digitalisierungs-Check.

Didier Denat, Sie führen das Firmenkundengeschäft der Credit Suisse in der Schweiz – nun übernahmen Sie Anfang letztes Jahr auch noch Präsidium der SVC AG. Warum? 

Das Thema Private Equity fasziniert mich. Während den 20 Jahren, in denen ich in London arbeitete, hatte ich viel mit Private-Equity-Kunden zu tun. Das vermisste ich, als ich 2016 in die Schweiz zurückkehrte. Demensprechend war ich sehr glücklich, als man mir vorschlug, zusätzlich noch das Präsidium der SVC AG zu übernehmen. Dies ist zwar kein Private-Equity Fund, aber die Fragestellung der SVC AG Investitionen sind ähnlich ausgestaltet. Auch darf ich mich so noch mehr für den KMU Markt Schweiz engagieren. 

Sie schärften gleich die SVC AG-Strategie. Warum?

Ich fand, das Tätigungsfeld der SVC AG sei etwas zu breit, wir brauchen mehr Fokus. Wir streben zwei Dinge an: erstens konzentrierten wir uns stärker auf reifere Firmen. Bei denen ist die Performance stabiler, damit sinkt das Risikoprofil des gesamten Portfolios. Und sie haben in der Schweiz einen grösseren Finanzierungsbedarf als Startups, denen vergleichsweise viele Angebote zur Verfügung stehen.

Und die zweite Veränderung?

Wir haben uns entschieden, unsere Investments im Early Stage Bereich auf ein paar strategische Gebiete zu konzentrieren, die wir aus den Supertrends der Credit Suisse ableiteten: Robotik & Automation, MedTech sowie FinTech. Das sind Gebiete, bei denen insbesondere auch in der Schweiz eine starke Startup Szene heranwächst.

Warum dieser Fokus?

In den ausgewählten Bereichen wollen wir uns spezialisieren und im Markt gemeinsam mit Industriepartnern und unserem Netzwerk entsprechend positioniert sein. Fokussierung gibt Synergien: Es ist sicherlich effizienter, zwei MedTech-Firmen zu prüfen, als eine MedTech-Firma und ein Maschinenbau-Unternehmen. Gerade im Early Stage Bereich ist Erfahrung sehr wichtig. 

Die SVC AG investiert neu in FinTechs, also in Firmen, die Innovationen in der Finanzbrache entwickeln – bauen Sie da nicht die künftige Konkurrenz der Credit Suisse auf? 

Das Thema ist für die Bank wichtig, da haben Sie recht – aber wir sehen es als Chance, dieser Szene den Puls zu fühlen und allenfalls gewisse Innovationen auch für uns nutzen zu können. Zudem sind es oft gute Finanzinvestitionen: die Bewertungszunahmen in diesen Bereichen sind zurzeit sehr interessant. Die SVC AG hat 30 Millionen Franken zusätzliches Kapital für die FinTech Investitionen bekommen, das von einem eigenen FinTech Investment Committee verwaltet wird, in dem sowohl erfahrene FinTech Experten der Bank aber auch externe Experten vertreten sind. 

Was sind weitere Neuerungen?

Ich möchte die Schnittstelle zur Credit Suisse verbessern, speziell beim Sourcing von Deals – das ist immer die grosse Frage in dieser Industrie: Woher bekommt man interessante Opportunitäten? Im Firmenkundengeschäft der Credit Suisse sind wir ständig im Kontakt mit potentiellen Unternehmen, wir haben 100 000 Firmenkunden. Wenn eine dieser Firmen Wachstumskapital in Form von Risikokapital sucht, sollte die SVC AG immer die Chance haben, das Geschäft anzuschauen und ein Angebot zu unterbreiten – davon profitiert vor allem der Kunde.

Sie leiten das Firmenkundengeschäft der Credit Suisse in der Schweiz. Die Bank positioniert sich als Bank für Unternehmerinnen und Unternehmer. Welche Rolle spielt dabei die SVC AG?

Es ist ein klares Differenzierungsmerkmal im Markt. Wir sind die Vorreiter in der Schweiz, die in diesem Bereich mit einem eigenen Private-Equity-Arm aktiv wurden. Die SVC AG will mit ihren Investments aber auch dazu beitragen, den Werk- und Arbeitsplatz Schweiz zu fördern. Die Maximierung der Profitabilität soll dabei nicht im Vordergrund stehen, aber die SVC AG muss sich nachhaltig selber tragen können.

Das scheint zu funktionieren.

Ja, mit den bisherigen Exits erzielten wir unter dem Strich einen Gewinn, der dazu beitrug, die wenigen Abschreiber und die Betriebskosten der SVC AG zu decken, und zudem half, das Investitionskapital weiter aufzustocken. Ich denke, es wird in den nächsten Jahren weitere gute Verkäufe geben – die SVC AG-Portfolio-Firmen haben in der grossen Mehrheit einen hervorragenden Job gemacht und das wirtschaftliche Klima ist günstig: Investoren suchen wegen den tiefen Zinsen nach Anlagemöglichkeiten. 

Sprechen wir über die Portfolio-Firmen: Wie gut sind diese digital aufgestellt?

Unsere besten Performer sind durch und durch digitalisiert: Entwicklung, Produktion, Vertrieb, Credit Risk Management, Buchhaltung, Finanzen – alles. Nur so können diese Firmen weltweit im Wettbewerb bestehen. Digitale Lösungen helfen, die verschiedenen Tätigkeiten einer Firma aufzuteilen und sich darauf zu fokussieren, was wirklich einen Mehrwert generiert. 

Für KMU stellen die hohen Investitionskosten einer Voll-Digitalisierung oftmals eine grosse Belastung dar.

Man muss smart investieren. Zuerst sollten sich die Firmen fragen, welche Lösung sie selber abdecken wollen. Es gibt so viele gute Startups heutzutage, mit denen sie eine Partnerschaft eingehen können. Die nächste Frage ist, ob die Firma etwas kaufen will. Eventuell finden sich Produkte auf einer variablen Kostenbasis, womit sich ein grosses Investment vermeiden lässt – ich denke beispielsweise an Speicherplatz, der sich heute günstig mieten lässt in der Cloud.

Zuletzt ein kleiner Digitalisierungs-Check für Sie: Zeitungslesen, online oder auf Papier? 

Nur Digital. Ich lese auf meinem iPad jeden Morgen quer durch die Presse hindurch. Manchmal kaufen wir am Wochenende eine gedruckte Ausgabe und die ganze Familie liest sie am Frühstückstisch. Wobei bedrucktes Papier für die Kinder schon etwas komisch ist. 

Ihre Agenda?

Nur Digital.

Die Bordkarte?

Jetzt neu auch auf dem Mobiltelefon.

Führen Sie Bargeld im Portemonnaie? 

Ja, aber immer zu wenig, ich vergesse, an den Bankomaten zu gehen. Sowieso bezahle ich praktisch immer mit Debit Karten oder Twint.

Das Auto?

Touché! Ich bin kein Fan von modernen Autos, mein Herz schlägt für Classic Cars. Ich muss den Motor hören und ich mag den Geruch von Öl und Benzin. Aber ins Büro fahre ich mit einem E-Bike. Das ist unglaublich gut: ein modernes Schweizer Qualitätsprodukt, höchst innovativ und zuverlässig. Das E-Bike ist mit meinem Mobiltelefon verbunden, ich kann damit sogar aktiv die Batterieleistung steuern. Ein perfektes Beispiel für Schweizer Innovation und Ingenieurskunst.

Bio.
Didier Denat ist Verwaltungsratspräsident der SVC AG. Ausserdem leitet er bei der Credit Suisse (Schweiz) AG den Bereich Corporate & Investment Banking und ist Mitglied der Geschäftsleitung. Zuvor war er Co-Leiter Global Financial Sponsors in London und Leiter der Leveraged Finance and Sponsors Group in der EMEA Region. Vor seinem Eintritt in die Credit Suisse arbeitete Didier Denat neun Jahre bei der Citibank in Zürich, New York, London und Paris. Der gebürtige Genfer hat einen Abschluss in Management & Strategy von der Universität St. Gallen, ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt in Zürich.

 

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