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Das Interview

«Wir suchen die leisen Guten»

Das Gespräch mit dem neuen und dem ehemaligen CEO der SVC – AG für KMU Risikokapital (SVC AG). Was wurde aus den 100 Millionen, mit denen die Investmentgesellschaft 2010 begann, innovative Firmen zu unterstützen? Wie ideenreich ist die SVC AG selbst? Und wie profitiert SVC AG-Gründerin Credit Suisse von ihrem Engagement?

Interview: Simon Brunner

Herr Naumann, Herr Suter: Die SVC AG finanziert innovative Firmen. Ist sie selber auch erfinderisch?

Johannes Suter (JS, auf dem Bild links): Als wir die Investmentgesellschaft 2010 gründeten, gab es so etwas in der Schweiz noch nicht. Einerseits war die Struktur neu: Sobald ein Investment zu Ende geht, wird das Kapital inklusive Gewinn wieder investiert. Das Engagement der Credit Suisse in die SVC AG kennt keinen Zeithorizont, sondern ist eine Art Perpetuum Mobile. Andererseits ist auch das Ziel innovativ: Wir maximieren nicht alleine die Rendite, aber wir sind auch keine Förderungsinstitution. Wir wollen genug verdienen, um einerseits die Betriebskosten decken zu können und andererseits einen stetig wachsenden Kapitalstock für Re-investitionen zur Verfügung zu haben.

Frank Nauman (FN): Wir unterstützen ausserdem Firmen unabhängig von ihrer Entwicklungsphase, also Start-ups und alteingesessene KMU. Und wir haben einen aussergewöhnlichen Anspruch: Wir wollen Arbeitsplätze für den Werkplatz Schweiz schaffen und erhalten.

Die Credit Suisse gründete die SVC AG im Jahr 2010 und stattete sie mit 100 Millionen Franken aus. Warum?

JS: Nach der Finanzkrise beschloss die Geschäftsleitung, diesen Betrag in ein gesellschaftliches Projekt zu investieren, das den Werk- und Arbeitsplatz Schweiz stärkt. Dabei war es der Credit Suisse wichtig, dass die zur Verfügung gestellten Mittel nachhaltig und dauerhaft wirken sollten.

Was ist in den vergangen sechs Jahren mit den 100 Millionen passiert?

JS: Wir haben rund 90 Millionen in 39 Firmen investiert und konnten unsere Beteiligungen auch ein paar Mal wieder erfolgreich mit Gewinn veräussern. Bei diesen Verkäufen und Rückzahlungen haben wir einen Gewinn realisiert, der kritisch ist für den erfolgreichen Betrieb des Konzepts. Es gibt aber auch einige Beteiligungen, die wir abschreiben mussten. Alles in allem haben wir das Ziel erreicht, selbstragend zu operieren.

FN: Abgesehen von der finanziellen Seite: Die aktuellen und ehemaligen Portfoliogesellschaften beschäftigen ca. 2000 Mitarbeitende und halten über 300 Patente. Indem wir diese Firmen unterstützten, leisten wir viel für den Innovationsstandort Schweiz.

Ergänzend zum positiven Reputationsaspekt,– wie profitiert die Credit Suisse noch mit dem Engagement bei der SVC AG?

JS: Einerseits werden KMU, die wir unterstützten, hie und da Kunden der Credit Suisse. Und andererseits können wir bisweilen Firmenkunden bei der Finanzierung mit Risikokapital helfen, wenn die Bank selber keine Gelder sprechen kann.

FN: Mit der Ende 2016 geschaffenen Schweizer Rechtseinheit, der Credit Suisse (Schweiz) AG fokussiert die Bank noch stärker auf den Heimmarkt und betont die Nähe zum hiesigen Unternehmertum. In diesem Kontext und mit dem Erbe von Alfred Escher, einer der herausragenden Gründerfiguren in der Geschichte der Schweiz, spüren wir weiter ein zunehmendes Interesse der Credit Suisse an unserem Geschäftsmodell und an unseren Investitionen.

Worauf freuen Sie sich in den nächsten Monaten?

FN: Einige der Portfoliofirmen haben sich sehr gut entwickelt. Ich hoffe, dass wir den einen oder anderen Exit realisieren können – drei bis vier sind in der engeren Auswahl. Sobald Kapital zurückfliesst, können wir weiteren KMU helfen. Die Nachfrage nach Unterstützung ist ungebrochen hoch, wir bekommen pro Woche fünf bis zehn Anfragen.

Wonach suchen Sie?

JS: Viele Risikokapitalgeber wollen das nächste Facebook entdecken und jagen immer der letzten Mode in der Investorenwelt nach: Mal Biotech, dann Industrie 4.0, dann künstliche Intelligenz und dazwischen noch Internet of Things. Wir hingegen unterstützen nicht nur solche Unternehmen sondern vor allem auch alle anderen: Die soliden Büezer, die unspektakulären Champions, die leisen Guten.

 

Frank Naumann ist CEO der SVC AG und Director bei der Credit Suisse (Schweiz) AG. Bei der Credit Suisse verantwortet er den Bereich Divisional Collaboration Support. Frank Naumann stiess 1999 zur Credit Suisse als Leiter der internen Beratung (Business Process Transformation) der Division Credit Suisse Private Banking.

Johannes Suter ist Gründungsmitglied der SVC AG und war deren erster CEO. Heute ist er Managing Partner und CEO der Helvetica Capital AG, die unter anderem das Portfolio der SVC AG betreut.

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