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Atlantic Forwarding Group

Mit Atlantic über die Weltmeere

Die Atlantic Forwarding Group aus Schlieren verschifft Güter von Asien in die ganze Welt und ist ein typisches Schweizer Unternehmen. Zugleich sieht sich das stetig wachsende Speditionsunternehmen, das vier Fünftel seiner Angestellten in Asien hat, als «Asian Family». Ein Widerspruch?

Die Herkunftsbezeichnungen auf Gebrauchsgegenständen verweisen häufig nach Asien: Made in China, Indonesia, Bangladesh oder Thailand. Während die Arbeitsbedingungen in einigen asiatischen Ländern immer wieder in den Fokus der westlichen Aufmerksamkeit geraten, ist vom Transport der Waren selten die Rede. Oliver Ernst, CEO der Atlantic Forwarding Group aus Schlieren erklärt den Grund: «So ein Schiffstransport verläuft fast immer reibungslos. Wir hatten seit der Firmengründung nie ein grösseres Problem, wenn man kleine Verspätungen wegen überlasteter Ankunftshäfen in Europa nicht mitzählt.»

Pauschalreisen für Güter

90 Prozent der Transporte von Atlantic werden über den Wasserweg abgewickelt, 10 Prozent sind Luftfracht. «Wir sind so etwas wie ein Reisebüro für Güter», sagt Ernst und illustriert seine Aussage mit einem Beispiel: «Nehmen wir an, ein Schweizer Warenhaus hat bei uns den Transport von 400 Regenschirmen aus Indonesien in sein Schweizer Verteilzentrum gebucht. Analog zum Reisebüro, wo der Kunde die Wahl zwischen unterschiedlichen Fluggesellschaften hat, kann sich das Warenhaus bei uns für eine Reederei entscheiden. Dabei stellt der Preis, der je nach Angebot und Nachfrage stark variieren kann, das wichtigste Wahlkriterium dar – genau wie bei den Passagierflugzeugen.» Transportiert wird in Schiffscontainern, je nach Umfang der Sendung in einem eigenen Container oder bei kleineren Bestellungen, wie den 400 Schirmen des Schweizer Warenhauses, in einem Sammelcontainer. Bevor die Schirme Jakarta verlassen, hat die lokale Atlantic–Filiale beim Schirmproduzenten den Liefertermin überwacht und die fachgerechte Verladung sichergestellt. Ebenso kontrollieren die Mitarbeiter das Vorhandensein der nötigen Frachtpapiere, damit das Auslösen der Güter in Antwerpen drei Wochen später wie auch der Weitertransport funktionieren – gleichsam ein All–Inclusive–Pauschalarrangement für Waren.

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Gespür für kommende Entwicklungen

Die Geschichte des Unternehmens beginnt 1979 mit der Gründung der Atlantic Speditions AG durch Theo Ernst, den Vater des heutigen CEOs. Damals war das Schweizer Transportgewerbe aufgrund der Maschinenindustrie noch sehr auf Export ausgerichtet: «Mein Vater erkannte die wachsende Bedeutung des Imports aus Asien und setzte bei der Unternehmensgründung ganz auf diese Karte», erzählt Oliver Ernst. Der Sohn stiess 1981 zum Unternehmen, das damals 35 Mitarbeiter zählte. Während Atlantic ursprünglich ganz auf den Transport von Asien nach Europa spezialisiert gewesen war, begann Oliver Ernst nach der Stabübergabe 2002 mit dem Ausbau der Destinationen: «Ich wollte nicht von Europa abhängig sein, denn aus einem asiatischen Blickwinkel wird Europa immer unwichtiger», sagt er. Sich an den Warenströmen orientierend, begann Atlantic Lateinamerika, USA, Australien und vor allem Asien auch als Destination zu erschliessen; so macht Europa heute nur noch 55 Prozent der Sendungen aus, obwohl das Volumen hier nicht abgenommen hat. Ausgangspunkt für alle Transporte bleibt Asien, wo Ernst inzwischen auch selber lebt: «Wir sind im Grunde ein asiatisches Unternehmen mit Hauptsitz in der Schweiz, das schweizerische wie asiatische Werte pflegt, denn 420 unserer heute 550 Mitarbeiter befinden sich in den 28 asiatischen Niederlassungen», erläutert er. Am besten lasse sich das Unternehmen mit «Asian Family» umschreiben: Hierarchisch aufgebaut, aber mit starkem zwischenmenschlichem Zusammenhalt.

Transparenz auf hoher See

Atlantics Ziele für die kommenden Jahre sind eine weitere Steigerung des Volumens sowie eine möglichst effiziente logistische Abwicklung. «Die SVC–AG für KMU Risikokapital trägt mit ihrer Finanzierung dazu bei, dass wir unsere Pläne umsetzen können», so Oliver Ernst: «Aktuell sind wir in unseren 37 Büros an der Einführung einer komplett neue Software, welche die Abläufe vereinfachen wird, damit wir noch transparenter und effizienter werden.» In Zukunft soll das Fracht–Überwachungssystem mit dem Bereich Finance verknüpft sein, um jederzeit auch die Rentabilität einer Sendung abschätzen zu können. Schon heute weiss Atlantic immer, wo sich eine Lieferung gerade befindet – beispielsweise die Schirme für das Schweizer Warenhaus: Nach 20 Tagen auf hoher See und durch den Suezkanal erreichen sie den Zielhafen Antwerpen, von wo es per Bahn nach Basel weitergeht und anschliessend via LKW ins Verteilzentrum des Warenhauses, wo die Transportverantwortung der Atlantic Forwarding Group endet. «Made in Indonesia», wird der aufmerksame Konsument auf einem kleinen Etikett lesen können, nicht aber, dass die Schirme via Atlantic über die Weltmeere kamen.

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