Vollendet
Bandi SA

Präzision im Mikrobereich

Bei der Bandi SA in Courtételle bei Delémont sollte man seinem Augen nicht trauen: Was wie Goldstaub aussieht, kann sich beim Blick durch das Mikroskop als ein Häufchen winziger Zahnrädchen entpuppen. Ein Besuch beim Hersteller von Präzisionsteilen für die Uhrenindustrie im Luxussegment.

Eine Schweizer Armbanduhr besteht heute aus mehreren Hundert Komponenten, einzelne sogar aus über tausend. Die Bandi SA produziert für die Uhrenindustrie Zahnrädchen, Stifte, Schräubchen und viele andere komplexe Teile. Wenn man sich vorstellt, wie gross eine fertige Uhr ist, kann man sich leicht ausrechnen, dass die Komponenten im Gehäuse mikroskopisch klein sein müssen. Dennoch sind die meisten Besucher überrascht, wenn ihnen beim Gang durch die Fabrik hallen eines der kleineren Teilchen mit der Pinzette auf die Handfläche gelegt wird: Ohne Mikroskop meint man, ein Glitterstäubchen auf der Hand zu haben, und erst durch das Vergrösserungsglas wird deutlich: Hier liegt ein hochkomplexes Schräubchen. Yves Bandi, Verwaltungsratspräsident der Bandi SA, erklärt: «Unsere kleinsten Erzeugnisse haben einen Durchmesser von 0,1 mm, die grössten einen Durchmesser von etwa 13 mm.»

Bandi_2.jpg

Vom Uhrengehäusepolierer zum Hersteller von Präzisionsteilen

Zu ihrem heutigen Tätigkeitsgebiet kam die Bandi SA auf Umwegen. Das 1970 von Jean-Jacques Bandi, dem Vater von Yves Bandi, gegründete Unternehmen polierte erst Gehäuse für die Uhrenindustrie und machte dann einen Abstecher in die Elektronik, bevor es mit der Herstellung von Präzisionsteilen wieder in die Uhrenindustrie zurückkehrte. «Heute stehen 160 CNC-Maschinen in unseren Fabrikhallen. Diese sind sehr flexibel und können, wenn nötig, täglich etwas anderes produzieren», erklärt Yves Bandi. Genau das ist neben der hohen Präzision eine der Stärken der Bandi SA: Das Unternehmen liefert viele Prototypen und Kleinserien für Hersteller im Luxusbereich. Ein besonderer Meilenstein in der Firmengeschichte liegt noch nicht lange zurück: Mitte 2015 verkaufte der damalige CEO Yves Bandi die Mehrheit des Aktienkapitals und zog sich aus dem operativen Geschäft zurück. Trotzdem wollte er das Unternehmen aktiv begleiten und übernahm das Amt des Verwaltungsratspräsidenten. «Es zeichnete sich ab, dass keine meiner beiden Töchter je in den Betrieb einsteigen würde, und gleichzeitig ergab sich mit dem Interesse einer Investorengruppe, zu der auch die SVC AG gehört, eine perfekte Gelegenheit für mich, mein Unternehmen partiell aufzugeben und es in guten Händen zu wissen», meint Bandi. Johannes Suter, der langjährige Geschäftsführer der SVC AG und neu CEO der Helvetica, die das Investment-Portfolio der SVC AG in ihrem Auftrag betreut, ergänzt: «Von unserer Seite her ist die Bandi SA das perfekte Beispiel eines etablierten Unternehmens, bei dem unsere Beteiligung wegen einer bisher fehlenden Nachfolgeregelung positive Auswirkungen auf den Werkplatz Schweiz haben wird.»

Bandi_3.jpg

Unter der Leitung des neuen CEO und langjährigen Mitarbeiters Paul-André Tendon werden die rund 50 Angestellten ihren Arbeitsplatz weiterhin in Courtételle haben. «Diese Kontinuität im Jura wird zudem durch die neue Swissness-Gesetzgebung unterstützt, wonach mindestens 80 Prozent einer 'Schweizer Uhr' in der Schweiz hergestellt werden müssen», erklärt Yves Bandi. Während das Thema «Deindustrialisierung» in aller Munde ist, dreht sich die Bandi SA gleichsam im Gegenuhrzeigersinn, indem sie in die Produktion investiert und ihre Produktivität steigert. Dies nur als Folge der neuen Gesetzgebung zu sehen, wäre zu einfach: Die grössten Uhrenhersteller schätzen die hohe Qualität und Zuverlässigkeit des jurassischen Zulieferers: «Es macht mich stolz, dass wir zu einem Aushängeschild in der Uhrenindustrie geworden sind und alle grosse Marken bei uns bestellen», sagt Yves Bandi, und beim Eintreten in sein modernes Büro wird klar, wohin die neu gewonnene Zeit des Uhrenlieferanten hinfliessen wird: Da thront an der Wand ein ausgestopfter Hirschkopf mit riesigem Geweih. «Ja», bestätigt er lächelnd, «das ist meine Passion – mein Vater und ich verbringen heute viel Zeit auf der Jagd.»

Bandi_4.jpg

Dies könnte Sie auch noch interessieren: