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Consenda AG

Lokalblätter sind Vorreiter in der All-Media-Strategie

Lokal- und Regionalzeitungen können dank dem technischen Verteilsystem LocalPoint von Consenda auf allen neuen Informationskanälen präsent sein und dies kostendeckend. Oft nimmt sogar die Abonnentenzahl leicht zu.

Gebannt schauen Michael und Sabrina im beliebten Fitnesscenter Move it in Gstaad auf den Bildschirm. Dort läuft weder der Final der Fussball Champions League noch die Liveüber tragung eines Rockkonzerts, sondern eine Meldung über die Bauarbeiten an der Bahnlinie zwischen Zweisimmen und Saanen. Doch wirklich ins Auge sticht dem jungen Paar ein Inserat über eine Zweizimmerwohnung mitten in Gstaad. Das Inserat wird anderntags im "Anzeiger von Saanen" erscheinen, oder war es gar, ohne dass sie es bemerkt hätten, schon in der letzten Ausgabe drin gewesen? Jedenfalls gilt es, sofort zu handeln. Michael beschliesst, sich endlich den Twitter-Dienst des "Anzeigers" zu installieren und sich auf Facebook als Freund seines Lokalblatts registrieren zu lassen. Das würde zweifellos helfen, die erschwingliche Traumwohnung zu finden.

Regionale Informationen aus dem Internet

Tatsächlich nutzen nur noch acht Prozent der Jugendlichen in der Schweiz die bezahlten Zeitungen als Hauptinformationsquelle, wie das Credit Suisse Jugendbarometer im Dezember 2010 ergeben hat. Dem gegenüber stützen sich bereits ein Viertel hauptsächlich auf das Internet ab. Konnten die Jugendlichen mehrere wichtige Informationsquellen nennen, so wurden neben Newsseiten (51 Prozent) und Facebook (35 Prozent) auch News Apps auf Smartphones (22 Prozent), Blogs und Maildienste (14 Prozent) sowie soziale Netzwerke (14 Prozent) erwähnt. Angesichts dieser enormen – und ständig zunehmenden – Bedeutung der neuen Medien, die im Pendlerland Schweiz nur von den Gratiszeitungen übertroffen wird, stehen die Lokalverleger auf verlorenem Posten.

Oder doch nicht? Die Jugendlichen wurden auch befragt, worüber sie sich informieren würden. Gerade in unserer glo ba lisierten Welt gewinnen die lokalen Informationen offen bar an Stellenwert. Auf den Spitzenplätzen finden wir neben der Musik (56 Prozent) auch regionale Aktualitäten (54 Prozent) sowie News über Anlässe, Partys und Ausgang (40 Prozent). Und ganz vorne befindet sich, wen wunderts, das Wetter (61 Prozent); der Sonnenschein aber wärmt einen, ausser wenn Ferien anstehen, nur lokal.

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Neue Medien als Chance offensiv nutzen

Das Interesse ist also da, doch kann sich dies der lokale Verleger zunutze machen? Stehen in der Internetwelt nicht teure Anschaffungen sowie komplexe Bedienung und Wartung auf der einen Seite und auf der anderen Seite fehlende Einnahmemöglichkeiten und zusätzliche Gefährdung der Abonnentenzahl?

Vielleicht ist es kein Zufall, dass ein vielversprechender Lösungsansatz gerade in Gstaad entwickelt werden konnte, in Gstaad, wo sich die mondäne, globale Welt im besten Ein vernehmen mit der heimatlich-provinziellen befindet. In dieses kleine Paradies ist der Engländer Xavier Ferguson vor einigen Jahren aus dem hektischen New York gezogen. Obwohl er die Leitung seines amerikanischen Unternehmens, das Software für grosse Zeitungen wie die "Los Angeles Times" und den "Guardian" herstellte, abgegeben hatte, nahm er doch sein Wissen in seine neue Firma Consenda (von englisch "send content") mit.

Angezapft wurde es ab Anfang 2007 von Frank Müller, dem Verleger des traditionsreichen "Anzeiger von Saanen". Müller lud Ferguson ein, in seinem Verlagshaus eine perfekt auf die Bedürfnisse von Lokalverlagen abgestimmte All-Media-Software zu entwickeln. Dank dem resultierenden LocalPoint-System bietet Müller nun aktuelle lokale News in Print, online, auf TV, Mobile, iPhone App, Facebook, Twitter oder per E-Mail an. Die News flimmern über 22 TV-Bildschirme, die an attraktiven Standorten platziert sind: beim Bäcker, im Restaurant, beim Arzt, im Fitnesscenter. Und finanziert wird das Ganze allein mit Werbung.

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Passive Werte sind attraktiv

"Lokale Werbung ist keine Belästigung, sondern ein attraktiver Inhalt", betont Xavier Ferguson, dessen System dafür sorgt, dass das Zeitungsinserat automatisch auch auf allen digitalen Medien zu sehen ist. Neben bewusst platzierten und bewusst gesuchten Inseraten wie "Mietobjekte" oder auch "Todesan zeigen" stossen die sogenannten "passiven Werte", Inserate also, über die man zufällig stolpert, aber die man dennoch gerne als Informationsquelle zur Kenntnis nimmt, auf Interesse.

Weil die Wirtschaft dies relativ schnell realisiert hat, wünschen sich nun mehr als 75 Prozent der Kunden ein All-Media-Inserat, das für einen kleinen Aufpreis über alle Kanäle flittert und twittert. Eine Investition, die sich für alle Beteiligten lohnt. Der Leser bekommt gratis zusätzliche Online-Inhalte, die Inserenten freuen sich über die starke Beachtung ihrer Werbung, und Frank Müller hat nach ein paar Monaten seine Anfangsinvestitionen bereits wieder amortisiert. Ähnliche Erfahrungen machen die Luzerner Zeitungen "Seetaler Bote" und "Willisauer Bote", die "Engadiner Post", die "Schaffhauser Landzeitung", der "Bremgarter Bezirks-Anzeiger", der "Wohler Anzeiger", die "Volksstimme" (aus dem Oberbaselbiet), der "Frutigländer", der "Anzeiger von Burgdorf" und "D’Region" oder auch die "Neue Fricktaler Zeitung". Der Clou: Die Abonnentenzahl nimmt bei manchen LocalPoint-Zeitungen trotz des Gratisangebots sogar leicht zu.

Unterstützung aus Gstaad und New Delhi

LocalPoint ist benutzerfreundlich und setzt kein technisches Know-how voraus, da sich das All-Media-System nahtlos in die bestehenden Arbeitsabläufe von Redaktion und Inserateverkauf einfügt und Consenda die gesamte Wartung, insbesondere der Bildschirme, übernimmt. Dabei arbeitet das kleine Gstaader Team mit seinem eigenen Entwicklungszentrum in Delhi zusammen, das Chief Technology Officer Nishant Singh zusammen mit 18 Ingenieuren aufgebaut hat.

Zum Gelingen dieses Projekts trägt aber auch die Publicitas bei, die das All-Media-Angebot gut vermarkten kann und laufend neue Anwendungen wie etwa Videos über neue Automobile absetzt. "Jedoch kam eine Beteiligung der Publicitas bei uns bis jetzt nicht in Frage. Als unabhängige Firma“, so Ferguson, "freuen wir uns, dass die SVC-AG für KMU Risikokapital bei uns investiert hat.“

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