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HeiQ

Innovatives Produkt für saubere Sandstrände

Ungefähr eine Million Tonnen Rohöl fliessen im Laufe von vier Monaten ungefiltert ins Meer. Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko ist allen noch präsent. Die Schweizer Firma HeiQ nahm sie zum Anlass, in Rekordgeschwindigkeit ein Produkt zum Schutz der Strände vor Ort zu entwickeln.

Die Satellitenaufnahmen zeigen das Öl wie eine dunkle Wolke, die im Wasser des Golfs von Mexiko treibt. Immer grösser wird sie und erste Wasservögel werden ölverschmiert gefunden  - es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis der zerstörerische Rohöl-Teppich die Strände erreicht. Diese Bilder aus dem Fernsehen und Internet bewogen Carlo Centonze, Mitbegründer und CEO von HeiQ, zusammen mit seinem Team ein Produkt zum Schutze eben dieser Strände zu entwerfen. Möglichst in Rekordgeschwindigkeit, um bei der aktuellen Katastrophe noch zu helfen. Doch das Bad Zurzacher Hightechunternehmen muss nicht bei Null beginnen. "Durch die Entwicklung einiger unserer früheren Produkte hatten wir ein umfassendes Wissen zu den Eigenschaften von Öl und Wasser aufgebaut“, erklärt Centonze. "Wir wussten ganz genau, wie man Textilien optimal wasser- und ölabstossend machen kann. Dieses Wissen diente uns als Basis zur Entwicklung einer Textilmatte, die Wasser zwar abstösst, Öl aber aufsaugt.“ Diese Matten sollten dann an den Stränden Floridas und den anderen betroffenen Landstrichen ausgelegt werden und die Katastrophe wenigstens an Land eindämmen helfen.

Chemische Prozesse nutzen

Das neue Produkt mit dem Namen "Oilguard“ ist ein Stück Textil, ein Vliesstoff, bei dem jede einzelne Faser mit einer chemischen Beschichtung versehen wird. Diese Beschichtung hat die Eigenschaft, das Acht- bis Zehnfache ihres Eigengewichts an Öl in sich aufzusaugen und zu binden und gleichzeitig Wasser abzuweisen. "Man muss sich das wie eine Art Ölgelatine vorstellen, die quillt und so im Fasernetz des Vliesstoffes gefangen bleibt“, veranschaulicht CEO Centonze. Die Matten werden am Übergang zwischen Wasser und Land aufgelegt. Wenn ein Strand starke Gezeitenschwankungen aufweist, können auch mehrere Lagen nebeneinander platziert werden. Bis heute ist Oilguard und die ihr zugrunde liegende Technologie die einzige weltweit, die zur Vermeidung von Ölverschmutzungen von Küsten und Stränden eingesetzt werden kann. Bei durchschnittlich 70 Ölunfällen pro Tag weltweit entspricht diese Erfindung also einem grossen Bedürfnis.

Produktenwicklung in Rekordzeit

Die Strandschutzmatten wurden in aussergewöhnlicher Geschwindigkeit entwickelt. "Bereits einen Monat nach Beginn der Ölkatastrophe am 20. April 2010 hatten wir einen funktionierenden Prototypen“, sagt Centonze mit Stolz. Nach einem weiteren Monat war das Unternehmen in den USA vor Ort am Strand und demonstrierte die Funktionsfähigkeit des neuen Produkts. Ungewöhnlich ist diese Geschwindigkeit auch, weil an der Entwicklung von Oilguard neben HeiQ noch zwei weitere Firmen – der Vliesstoffhersteller TWE aus Emsdetten, Deutschland, und der Chemiekomponentenhersteller Beyond Surface Technologies aus Pratteln – beteiligt waren. Centonze meint denn auch: "So schnell zu einem Produkt zu kommen, war nur möglich, weil die Zusammenarbeit zwischen unseren drei Firmen bereits etabliert war und Vertrauen herrschte.“

Auszeichnung ist Qualitätsstempel

Diese Entwicklungsdynamik sorgte für Aufsehen und HeiQ wurde Anfang November im Novartis Campus in Basel mit dem Swiss Technology Award 2010 ausgezeichnet. "Dieser Preis wird jeweils im Rahmen des Swiss Innovation Forum verliehen und zeichnet Unternehmen aus, die hervorragende innovative und technologische Leistungen erbringen und über ein überdurchschnittliches Marktpotential verfügen“, erklärt Jurymitglied Hans Baumgartner, Leiter KMU-Geschäft der Credit Suisse.

Befragt, warum seiner Meinung nach HeiQ gewonnen habe, meint der Preisträger: "Wir haben innert kürzester Zeit ein Problem angenommen und einen Lösungsansatz entwickelt. Oilguard ist sehr durchdacht. Es kann beispielsweise nach dem Einsatz am Strand in Zementwerken als Energieträger verbrannt werden." Wegen seiner Fokussierung auf die Technologie und nicht auf das Unternehmen, verlieh der Award dem Produkt von HeiQ eine Art Gütesiegel für Schweizer Qualität. "Das stärkt natürlich unsere Glaubwürdigkeit. Vor allem im asiatischen Raum wird solche Schweizer Qualität stark nachgefragt.“

Irgendwie Ressourcen sparen

Aber nicht nur "Oilguard“ ist von hervorragender Qualität. "Alle unsere Produkte sparen in irgendeiner Form Ressourcen und leisten so einen Beitrag zur nachhaltigeren, besseren Qualität“, betont Carlo Centonze. "Wir lassen uns von der Natur inspirieren und versuchen, wo sinnvoll, die natürlichen Konzepte nachzubauen.“ HeiQ versetzt beispielsweise Polyesterkleider, die hierzulande vor allem im Sport verwendet werden, mit Kleinstmengen an Silber. Durch die antibakterielle Wirkung des Silbers wird erreicht, dass die Sportkleider nicht mehr unangenehm riechen. "Dank dieser Veredelung kann man die Polyesterkleider viel länger tragen. Im Vergleich zu Baumwollkleidern weisen sie beim Ressourcenverbrauch, also bei der Herstellung und beim Waschaufwand, ein deutlich besseres Umweltprofil auf“, streicht der CEO die Vorteile heraus. Faszinierend ist auch das Produkt  "Barrier“, das der mikrostrukturierten Oberfläche einer Lotusblüte nachempfunden ist und perfekte Wasser-, Öl- und Schmutzabweisung erzeugt. Durch Anwendung von Mikrostrukturen auf Textilteilen kann bei der Herstellung gegenüber Konkurrenztechnologien bis zu 60 Prozent an Chemikalien gespart werden.

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