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HighStep Systems AG

Gefahrlos in luftige Höhen

Mit einem mobilen Lift mühelos und sicher Hochspannungsmasten erklimmen, um in schwindelerregender Höhe Reparaturarbeiten auszuführen – mit dieser bestechenden Idee gewinnt die HighStep Systems AG Kunden rund um den Globus.

Berufe, die in luftiger Höhe ausgeübt werden, finden sich in den jährlich erscheinenden Rankings der  gefährlichsten Tätigkeiten ganz oben. Nur Bombenentschärfer, Polizisten in Spezialeinheiten und Feuerwehrmänner leben gefährlicher als kletternde Monteure. «Heute müsste sich niemand mehr der Gefahr aussetzen, mit einer Leiter auf 80 oder 100 Meter hohe Masten zu klettern», sagt Andreas Maurer, Gründer und Geschäftsführer der HighStep Systems AG. «Mit unseren Systemen haben wir sichere und preiswerte Alternativen geschaffen.»

Ein Fall führte zum Aufstieg

Der Sicherheitsgedanke ist Maurer sehr wichtig, entstand die Idee zum Produkt doch, als sein Vater vor zehn Jahren im Garten von einer Leiter fiel. «Wir fragten uns, weshalb es eigentlich keine sicheren Leitern gibt, obwohl viele Menschen hoch gelegene Arbeitsplätze wie Hochspannungsmasten oder Windkraftanlagen erreichen müssen», erzählt der Diplom-Ingenieur. Das Basisprodukt der 2007 gegründeten HighStep Systems bildet eine Aluminiumschiene, die fest und über die gesamte Höhe mit einem Bauwerk verbunden wird. Zu den vier patentierten Produkten des Unternehmens gehören neben dieser Schiene inzwischen drei verschiedene Steiggeräte.

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Vielfältige Einsatzmöglichkeiten

Das mechanische Steiggerät heisst HighStep Easy und bietet dem Kletterer im Gegensatz zur Leiter je eine kleine Plattform für jeden Fuss. Diese sind stets mit der Schiene verbunden und rasten nach jedem Schritt nach oben wieder in die Schiene ein. So steht der Techniker aufrecht und hat seine Arme frei. Er kann seine Schrittgrösse selber wählen und jederzeit gesichert Ruhepausen einlegen. «Die Industrie schätzt diese Vorteile nicht nur wegen der Sicherheit, sondern auch, weil sie damit ihre Nachwuchsprobleme etwas mildern kann: Junge Monteure gibt es immer weniger, ältere leiden oft unter Knie- oder Rückenproblemen. Fällt das Klettern weg, bleiben Monteure länger einsatzfähig», erklärt Maurer. Wie simpel auch der weltweit erste portable HighStep-Lift anzuwenden ist, zeigt uns ein Monteur: Mit einer Hand zieht er ein schlankes Gerät auf zwei Rädern. Zwei Handgriffe und die demontierbaren Räder liegen im Gras. Nun hängt der Monteur das Gerät, das sich als Lift entpuppt, in die Aluminiumschiene am Mast. Er besteigt die Plattform, die mit dem Gerät verbunden ist, hakt seinen Sicherheitsgurt ein und drückt den Startknopf. Leise surren die Motoren und der Lift gleitet die Schiene entlang in die Höhe. In nur zwei Minuten hat der Mann sein Ziel auf 60 Metern Höhe erreicht und beginnt mit der Wartungsarbeit. Nachdem die Arbeit ausgeführt ist, nimmt er den Lift von der Schiene und geht damit zum nächsten Mast. Die dritte Apparatur im Angebot des Unternehmens ist ein Roboter, der via Tablet oder Smartphone bedient werden kann. Die Einsatzmöglichkeiten des Roboters sind vielfältig. Er kann als Materialtransporter verwendet werden oder beispielsweise mit einer integrierten Kamera Überwachungsfunktionen übernehmen. Zudem ist er nicht nur für vertikale, sondern auch für horizontale Anwendungen einsetzbar. Die HighStep Systems AG, deren Produkte durch ISO, TÜV und SQS zertifiziert sind, produziert übrigens nicht selbst. Die Schienen liefert die deutsche Aluminium Werke-Wutöschingen AG, die Geräte kommen von der schweizerischen Faes AG.

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Fast unbegrenztes Wachstumspotenzial

In seiner jungen Firmengeschichte erlebte das Unternehmen bereits etliche Erfolge: 2008, ein Jahr nach der Gründung, entschied sich mit Axpo bereits ein gewichtiger Kunde für das Steigsystem. Nachdem HighStep Systems seine Position in der Schweiz rasch gefestigt hatte, konnten die anfänglichen Kapazitätsprobleme mit Kooperationen gelöst werden und man begann mit der weltweiten Expansion – zuerst innerhalb Europas und dann auch nach China und Indien. In Zusammenarbeit mit globalen Grosskonzernen ist HighStep Systems heute am Ausbau des indischen G4-Mobilnetzes beteiligt, wo Tausende Masten mit ihrem Schienensystem ausgerüstet werden. Die HighStep-Systeme kommen aber nicht nur für Neubauten infrage: «Wir sind die Einzigen, die Bauten mit einer kleinen Investition mit einem Lift nachrüsten können», so der Geschäftsführer. Damit besetzt das Unternehmen einen lukrativen Markt: Alleine in Europa stehen über eine Million Hochspannungsmasten und rund 72 000 Windturbinen. Zudem sind beide Märkte im Wachstum begriffen: Mit dem Ausbau der Stromversorgung steigt die Anzahl Hochspannungsmasten, und die Nachfrage nach neuen Energien lässt den Bereich Windkraft jährlich um über 20 Prozent wachsen. Die potenziellen Geschäftsfelder für HighStep-Produkte scheinen fast unbeschränkt: So könnten die Systeme auch an Hochregallagern, Kranen, Lichtmasten, Hochhäusern oder Öl- und Gastankern zum Einsatz kommen. «Unsere globale Expansion war unter anderem dank der Unterstützung durch die SVC AG möglich», sagt Maurer. «Diese bot uns nicht nur finanzielle Hilfestellung in der Form eines Darlehens, sondern unterstützte uns auch bei der Geschäftsentwicklung und indem wir Zugang zum Netzwerk der SVC AG sowie der Credit Suisse erhielten.»  Die grössten Herausforderungen lagen bisher im Wirtschaftsumfeld. So spürte HighStep Systems, wie die meisten KMU, die Finanzkrise und den starken Franken. Ausserdem haben Rezessionsängste und Kostendruck die Kunden zurückhaltender werden lassen. Dennoch blickt der Geschäftsführer zuversichtlich nach vorne, denn: «Wir verkaufen ein Schweizer Produkt mit grossem Umsatzpotenzial, das die höchstgelegenen Arbeitsplätze der Welt sicherer machen wird.»

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