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Omnisens SA

Glasfasern gegen Naturkatastrophen

Omnisens gehört zu den weltweit führenden Unternehmen auf dem Gebiet der Hochleistungsglasfaserüberwachung. Seine Überwachungslösungen werden in der Öl- und Gasindustrie, beim Stromtransport sowie in anderen Branchen eingesetzt. Sie unterstützen die Kunden des Unternehmens bei der Leistungsoptimierung ihrer Anlagen und der Sicherung von deren Integrität.

Das Glasfaser-Messsystem von Omnisens ist zum Beispiel in der Lage, Lecks in Pipelines und Überhitzungen von Stromkabeln mit hoher Genauigkeit fast in Echtzeit und über Entfernungen von mehr als 60 Kilometern ausfindig zu machen. Dies wird durch die Messung von Temperaturunterschieden und die Überwachung von Belastungsprofilen möglich. So können ungewöhnliche Entwicklungen im Rahmen der Überwachung der Anlage ermittelt und ein Alarm ausgelöst werden. Zwischenfälle wie Leckagen, Erdbewegungen und das Eindringen von Dritten haben erhebliche finanzielle und rufschädigende Folgen. Je länger solche Defekte unentdeckt bleiben, desto schlimmer sind die Auswirkungen. Dank Omnisens ist es möglich, sich auf das Unvorhersehbare vorzubereiten. Zusammen mit Starkstromleitungen und Pipelines werden kilometerweise Glasfaserkabel verlegt. Sie können auf einer Strecke von zehn Kilometern 10 000 in Abständen von 100 Zentimeter positionierte Kontrollpunkte ersetzen.

Vom EPFL-Spin-off zum internationalen Unternehmen

Marc Nikles, der CEO von Omnisens, stammt aus Neuchâtel. Seine Familie hat eine enge Verbindung zur Uhrenindustrie, was sicherlich einer der Gründe für seine Affinität zur Mikrotechnologie ist. 1997 legte er bei der EPFL (École Polytechnique Fédérale de Lausanne) seine Diplomarbeit zum Thema Glasfasern vor. Bereits damals dachte er darüber nach, wie Glasfasern als Sensoren eingesetzt werden könnten. Es folgte die Entwicklung eines Prototyps, der überhitzte Stellen – ein eindeutiges Anzeichen für diverse Störungen – ausfindig machen konnte. Die Erfindung wurde zunächst für Stromkabel und Gas-Pipelines eingesetzt. Hier liegt weiterhin das Kerngeschäft von Omnisens, wobei jedoch auch Anwendungen für verwandte Felder in der Entwicklung sind.
Omnisens wurde 1999 als Spin-off der EPFL gegründet und brachte 2002 das erste Produkt auf den Markt. Im Laufe der Jahre hat das Unternehmen ein solides Fundament mit qualifizierten Mitarbeitenden, umfassender Fachkompetenz und hoch spezialisiertem Know-how gelegt. Omnisens hat seinen Sitz in Morges und beschäftigt 27 Mitarbeitende, darunter fünf Experten, die zum Thema Glasfasern promoviert haben. Zur EPFL besteht trotz des Umzugs nach Morges nach wie vor eine enge Verbindung, was in erster Linie einer Reihe von der KTI (Kommission für Technologie und Innovation) finanzierter Projekte zu verdanken ist. Zudem verfügt das Unternehmen über Büros in den USA, hat gerade eine Niederlassung in Brasilien eröffnet und ein weltweites Vertriebsnetz aufgebaut. Der Umsatz ist in den letzten drei Jahren gewaltig gestiegen: Er hat sich seit der Bereitstellung von Kapital durch die SVC – AG für KMU Risikokapital Ende 2010 bis heute verdreifacht. Im Jahr 2011 erreichte Omnisens erstmals in der Unternehmensgeschichte die Gewinnschwelle.

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Gefährliche Einsatzorte

2006 nimmt das Unternehmen eine Strategieänderung vor. Nicht mehr die Herstellung von Messinstrumenten steht im Mittelpunkt, sondern die allgemeine Überwachung sensibler Energieversorgungseinrichtungen. Viele Kunden sind auf der Suche nach schlüsselfertigen Lösungen. Die Glasfasern, die als Sensoren dienen, müssen installiert und gewartet, die erfassten Daten analysiert und die Mitarbeitenden geschult werden. Omnisens bietet all diese Dienstleistungen an. Der Einstieg eines Risikokapitalgebers im Jahr 2008 trägt zur Umsetzung der Neuausrichtung bei. Omnisens betreut Kunden rund um den Globus, die sich der schwerwiegenden Folgen bewusst sind, die ein Defekt bei einer Stromleitung, einer Pipeline oder einer Offshore-Einrichtung haben kann. In Lateinamerika zum Beispiel müssen Pipelines über die Anden verlegt werden. Dort stellen Erdrutsche eine echte Bedrohung dar. In Russland wiederum führt das Auftauen der Permafrost-Böden zu wachsender Instabilität des Untergrunds. Die 140 Kilometer lange Pipeline, die die Offshore-Felder von Sachalin mit Wladiwostok auf dem russischen Festland verbindet, führt in abgelegenen Gebieten über instabiles Gelände. Daher wurden spezielle, mit lockerem Sand gefüllte Gräben entwickelt, die verhindern, dass sich die Pipeline bei Bodenbewegungen mitbewegt. Omnisens hat Glasfasern entlang des gesamten Verlaufs der Pipeline angebracht. Diese Sensoren messen permanent ermittelte Belastungen, lösen einen Alarm aus, und der Anlagenbediener wird innerhalb von Minuten informiert, dass sich der Boden ein paar Zentimeter bewegt hat. So weiss der Bediener, wohin er das Inspektionsteam schicken muss, damit es umgehend eingreifen und weitere Verluste verhindern kann.
In der Nordsee besteht die Herausforderung darin, die Temperatur der Pipelines konstant zu halten, damit das Erdöl nicht gefriert. Omnisens überwacht zum Beispiel eine beheizte Unterwasser-Pipeline in der Nordsee vor dem (Öl-)Feld von Islay in Echtzeit und sendet Temperaturinformationen in Messabständen von bis zu 0,1° Celsius. In Alaska hat die Omnisens-Technologie schon dazu beigetragen, einen Schaden an einer Pipeline zu verhindern. Diese war in einem ins Eis gefrästen Graben verlegt und, als die Umgebungstemperatur stieg, dem Schmelzwasser ausgesetzt. Das System schlug Alarm, und so konnte verhindert werden, dass das Erdöl sich zu stark verdickte. Mithilfe des Systems liess sich die Problemstelle exakt identifizieren. Vor der Küste Grossbritanniens steht der grösste Windpark der Welt. Die Seekabel, die den dort erzeugten Strom zur Küste leiten, werden durch Sensoren von Omnisens überwacht. Ebenso wie eine 32 Kilometer lange Verbindungsleitung im Meer zwischen Guangdong und Hainan Island, einer beliebten Urlaubsinsel in China.
Unterwasser-Versorgungskabel und -Steigleitungen (temporäre Verlängerungen von einer Unterwasser-Erdölbohrstelle zu einer Bohranlage an der Oberfläche) sind aufgrund sich schnell ändernder Wetter- und Meeresbedingungen permanent Belastungen ausgesetzt. Omnisens überwacht Akkumulationen von dynamischer Belastung und Materialermüdung sowie Temperaturschwankungen, sodass Alarm geschlagen werden kann, wenn Ermüdungserscheinungen oder Belastungen von Unterwasser-Versorgungskabeln oder -Steigleitungen festgestellt werden. Omnisens hat ein Modell zur Berechnung der Ermüdungslebensdauer entwickelt, mit dem Fehler deutlich vor Eintreten eines Störfalls vorausberechnet werden können. Die Überwachung von flexiblen Unterwasser-Versorgungskabeln und -Steigleitungen ist für Omnisens ein schnell wachsendes Segment, und das Unternehmen ist gut aufgestellt, um in diesem Segment einer der führenden Player zu werden.
Da Öl- und Gasfirmen gezwungen sind, in immer rauere Umgebungen vorzustossen und immer komplexere Ölreserven zu erschliessen, gewinnt Flow Assurance immer stärker an Bedeutung. Zurzeit entwickelt Omnisens als vierte Generation seines Produkts eine verteilte Messtechnik, die Messungen so gut wie in Echtzeit anstatt alle 15 Sekunden, wie es bisher der Fall war, vornehmen kann. Mit der neuen Technik sind Messungen über viel grössere Entfernungen möglich, und dank des räumlichen Auflösungsvermögens des Messgeräts sind Messungen über eine Entfernung von bis zu 100 Kilometern und mit Verstärkung über eine Entfernung von mindestens 300 Kilometern realisierbar. Damit verfügt das Unternehmen über einen einzigartigen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz. Der erste Prototyp soll im Sommer 2013 fertig sein und die Vermarktung 2014 beginnen.

Ein Nischenmarkt

Die grossen Infrastrukturprojekte, an denen Omnisens beteiligt ist, haben lange Entwicklungsphasen. Das Unternehmen verfügt über dedizierte und spezialisierte Mitarbeitende, die die Projekte verfolgen und neue Anwendungen für die Technologie entwickeln, die den Anforderungen an eine sichere und effiziente Überwachung von im Bau befindlichen Anlagen gerecht werden. In Zukunft will Omnisens auch im Bereich der Überwachung von langen Unterwasser-Hochspannungskabeln der jüngsten Generation und von Infrastruktur, die für die Förderung von Tiefseeöl und -gas eingesetzt wird, tätig werden. Omnisens steht mit grossen internationalen Konzernen im ständigen Wettbewerb um Marktanteile. Die waadtländischen Spezialisten lässt dies jedoch kalt. Sie konzentrieren sich auf ihren wichtigsten Wettbewerbsfaktor: Sie sind momentan die Einzigen, die in der Lage sind, über eine Entfernung von bis zu 300 Kilometern Daten von einem einzigen Abfrager aus zu erfassen. Das Unternehmen wird von den Kunden nicht nur für seine Technologie geschätzt, sondern auch dafür, dass es ihnen hilft, eine Überwachungslösung für ihre Anlagen zu finden, die über eine ausgeklügelte Technologie hinausgeht. Dank seiner überschaubaren Grösse kann das Unternehmen sehr flexibel reagieren und seine Dienstleistung den Bedürfnissen seiner Kunden optimal anpassen. Die «Blackbox», die die Daten sammelt, wird am Firmensitz montiert – eine Garantie für Schweizer Qualitätsarbeit. Jeder möchte, dass die Betreiber diese Risiken besser im Griff haben. Allerdings ist die Technologie noch neu, und die Pläne zur Überwachung der Installationen sind häufig beschränkt. Aber auch wenn der Weg zu mehr Sicherheit noch lang ist, sieht die Zukunft für Omnisens dank seines ganzheitlichen Ansatzes vielversprechend aus.

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