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sonic emotion

Enrico Caruso hätte seine Freude an sonic emotion

Dank sonic emotion von CEO Renato Pellegrini und CTO Matthias Rosenthal wird es bald einmal in Konzerten und im Heimkino keine billigen Plätze mit beeinträchtigter Akustik geben. Dem Oberglatter Unternehmen ist eine bahnbrechende Weiterentwicklung der Wellenfeldsynthese gelungen.

"Buchstabentreue ist nicht Werktreue, die Frage nach dem Sinn muss vor der Exekution von Vorschriften stehen", sagt der Dirigent Nikolaus Harnoncourt. Harnoncourt prägte den Begriff der "Klangrede" und verhalf der "historischen Aufführungspraxis" zum Durchbruch: Die musikalischen Werke sollen möglichst so erklingen, wie sie der Komponist vor seinem inneren Ohr gehört hatte und wie sie mit den damaligen Instrumenten getönt hatten.

Den Klangraum geniessen

Heute ist weniger von Klangrede als vielmehr vom "Klangraum" die Rede. Doch gerade die modernste Technik der "futuristischen Ausführungspraxis" hilft mit, den Intentionen der Komponisten noch besser gerecht zu werden. Nun ist es möglich, den Ton an jedem beliebigen Ort des Raumes dreidimensional zu hören. Und sogar die akustische Quelle beliebig zu verschieben; dies kann es beispielsweise ermöglichen, einen Kinofilm aktiv mitzugestalten, was in Asien zu einem eigentlichen Volkssport zu werden verspricht.

Und das alles vom beschaulichen Oberglatt aus? Renato Pellegrini, CEO sonic emotion, lacht. "Hier kommen wir günstig zu grosszügig und ganz nach unseren Bedürfnissen eingerichteten Räumlichkeiten. Zudem ist der Flughafen sehr nahe. Das ist wichtig, weil unsere wichtigsten Kunden im Ausland, vornehmlich in Asien, sind."

Begonnen hat alles, so ehrlich muss man sein, in Holland. An der Technischen Universität Delft erfand Professor A. J. Berkhout 1988 die so genannte Wellenfeldsynthese, ein räumliches Audiowiedergabeverfahren mit dem Ziel, virtuelle akustische Umgebungen zu schaffen. Zwölf Jahre später beteiligte sich nicht nur die EPFL Lausanne, sondern auch das Schweizer Unternehmen Studer am Forschungsprojekt Carrouso der Europäischen Union, vertreten durch ihren Mitarbeiter Renato Pellegrini.

Wissenschaftliches Projekt über Wellenfeldsynthese

"Als Harman International als Mutterkonzern von Studer den Ausstieg aus diesem Projekt beschloss, konnten wir mit dem 2002 neu gegründeten Unternehmen sonic emotion in die Bresche springen", blickt Pellegrini zurück. "Carrouso war rein wissenschaftlich orientiert, Ueberlegungen für eine Umsetzung in die Praxis wurden nicht angestellt." Ein Glück für Pellegrini, der damit eine Reise startete, von der er nicht wusste, wo sie enden würde. "Für uns war einzig klar, dass auf der Basis der Wellenfeldsynthese ein 3-D-Audio möglich war, das mehr können würde als das herkömmliche Stereo-Surround-System."

In einem ersten Schritt konzentrierten sich Pellegrini und Rosenthal, beides ausgebildete Elektroingenieure, auf so genannte "professionelle Systeme". So ermöglichte man es VW, Motorengeräusche dreidimensional zu simulieren, noch bevor der Motor wirklich konstruiert war. Für das Centre Pompidou in Paris schuf man für die Sonderausstellungen über den Dadaismus und den Schriftsteller Samuel Beckett dreidimensionale Klangwelten von höchsten künstlerischen Ansprüchen.

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Tonmeister in Detmold sind begeistert

Als Meisterstück in diesem Bereich kann die Aula der renommierten Musikhochschule Detmold bezeichnet werden. Dort erreicht man nicht nur einen perfekten, standortunabhängigen 3-D-Sound, sondern kann auch elektronisch die Raumakustik verändern. Für Detmold, wo nicht nur Komponisten und Dirigenten ausgebildet werden, sondern auch Tonmeister, ein idealer Aufführungs- und Ausbildungsraum.

Der Komponist Albert Lortzing, der hier gewirkt hatte, hätte seine Freude daran, genau wie Enrico Caruso, der berühmte italienische Operntenor, der wohl dem europäischen Forschungsnamen seinen Namen gegeben hatte, und auch moderne Musiker. Nennen wir ihn Sting, nennen wir sie Pink Floyd.

Tatsächlich klingelten die Kassen von "Money" noch nie so überzeugend wie im Demonstrationsraum von sonic emotion; denn diesen Pink Floyd-Song von 1973 benützt sonic emotion, um Besucher von den Qualitäten seines Produktes zu überzeugen. "Geld zerrinnt. Geld ist flüchtig wie Gas." Doch sonic emotion fängt die Töne sicher dreidimensional ein, auch wenn sie nur synchron aufgenommen worden sind.

Hoffen auf neue Partner in Asien

"Teile redlich", singen Pink Floyd. "Aber nimm dir ja kein Stück von meinem Kuchen." Das trifft für sonic emotion durchaus zu. Man teilt den Erfolg im Retailmarkt redlich mit den Herstellern von Lautsprechern, Radios oder Höranlagen wie etwa Lenco, Scott oder Pinell Wide. "Der Audiomarkt ist sowohl in Hinsicht auf die Produzenten als auch die Distributoren derart diversifiziert, dass wir uns darauf konzentrieren, unsere Technik interessierten Unternehmen anzubieten", erklärt Renato Pellegrini, gerade auf dem Sprung zur Hong Kong Autumn Electronic Fairs, um dort neue Partner zu finden. Und denkt dabei, keine Frage, auch an den wesentlich attraktiveren TV-Markt.

Damit jedoch niemand unredlich ein Stück vom sonic-emotion-Kuchen stiehlt, wird die Technik nicht als Software, sondern als verschlüsselter Chip verkauft, eine Technik notabene, die mittlerweile weit über die Wellenfeldsynthese hinausgeht. Braucht diese nämlich Dutzende von Lautsprechern, um optimal zu funktionieren, so haben die Oberglatter diese Zahl mittlerweile auf sechs Stück reduziert, die, und dies ist der eigentliche Clou, in ein einziges Gerät installiert werden können.

Den Brand noch bekannter machen

Die genannten Produzenten zeigen, dass die sonic emotion ag, die im September 2009 an der IFA in Berlin erstmals mit ihrer Konsumententechnologie an die Oeffentlichkeit trat, die ganz grossen Partner noch fehlen. "Wir werden in den nächsten Monaten enorme Anstrengungen unternehmen, um unseren Brand noch bekannter zu machen", erklärt Renato Pellegrini. "In spätestens fünf Jahren soll sonic emotion bezüglich 3D Sound den gleichen Klang haben wie Dolby in Sachen Rauschverminderung." Zudem arbeitet man in Oberglatt bereits an den nächsten Chip-Generationen, welche den Produktdesignern noch mehr Möglichkeiten offen lassen sollen.

Um diese Ziele zu erreichen, suchte sonic emotion, in welches bereits zwei Venture Capital-Unternehmen investiert sind, einen zusätzlichen Partner: die SVC – AG für KMU Risikokapital, die dank der Credit Suisse über weitreichende internationale Erfahrung und Beziehungen verfügt. Das kann, meint Pellegrini mit Blick auf die Zukunft schmunzelnd, vielleicht einmal unsere Kassen klingeln lassen.

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