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Stratpharma AG

Silikongels revolutionieren Dermatologie

Das kleine Basler Pharmaunternehmen Stratpharma ist auf dermatologische Silikongels spezialisiert und begeistert aktuell mit zwei seiner Produkte weltweit Ärzte und Forscher. Beide Produkte haben das Potenzial, die bisherigen Behandlungsmethoden zu revolutionieren.

Die Mitarbeitenden von Stratpharma in Basel benötigen keine eigenen Uhren. Ein Blick aus dem Bürofenster reicht, und die Augen bleiben an einer der zwei grossen Bahnhofsuhren hängen. Weiter unten auf dem Centralbahnplatz fahren die grünen Basler Trams ein und aus, und im Minutentakt eilen Menschenmengen aus dem Bahnhofsgebäude über den Platz. «Wir passen gut in dieses geschäftige, internationale Umfeld», schmunzelt der australische Firmengründer und CEO von Stratpharma, Darren Kerr. Tatsächlich ist das 2005 von ihm gegründete Unternehmen sehr international ausgerichtet, aber auch das fünfzehnköpfige Team ist ein Potpourri der Nationen. So beherrschen allein die acht Mitarbeitenden am Basler Hauptsitz sieben Sprachen fliessend.

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Silikon in der Medizin

Die Produkte von Stratpharma hingegen basieren alle auf ein und demselben Grundstoff: Silikon. Silikone werden in unterschiedlichsten Lebensbereichen eingesetzt, sei es in der Lebensmitteltechnologie, im Baugewerbe oder eben in der Pharmazie. Der Marketingspezialist Darren Kerr begann sich in den 2000er Jahren intensiv mit Silikon in der Wundheilung zu beschäftigen. Er nahm an medizinischen Kongressen teil, sprach mit Ärzten und Polymerchemikern und erfuhr so direkt von den Bedürfnissen in der Medizin: «Ich hatte das Glück, mit den Koryphäen im Bereich der Wundheilung sprechen zu können. Und die Ärzte freuten sich, ihre Ideen mit jemandem teilen zu können, der diese zur Marktreife führen konnte.» Das kleine Basler Pharmaunternehmen hat inzwischen fünf lizenzierte Produkte auf dem Markt, zwei neue sollen 2013 und sechs weitere sollen in naher Zukunft folgen. Das älteste und schon sehr etablierte Produkt von Stratpharma ist das Narbengel Strataderm, das inzwischen in über 60 Ländern zugelassen ist. Auf dem Feld der Narbenbehandlung und -pflege gibt es allerdings Konkurrenzprodukte. Anders sieht es bei StrataXRT und Stratamark aus. Hier existiert nichts Vergleichbares. StrataXRT ist ein Gel, das bei Krebspatienten angewendet wird, die sich einer Bestrahlungstherapie unterziehen müssen. 65 Prozent dieser Patienten erleiden eine sogenannte Radio- oder Strahlendermatitis. Diese kann derart schlimm werden, dass die lebensnotwendige Therapie abgebrochen werden muss. Darren Kerr erklärt: «Durch StrataXRT wird die Haut besser geschützt und die Zeit, bis massive Hautschädigungen auftreten, wird um einiges verlängert. Auch erholt sich die Haut nach der Bestrahlung viel schneller. So können die Therapieblöcke zu Ende geführt werden.» Begeistert fährt er fort: «In den Studien schneidet dieses Produkt hervorragend ab. Wir sind alle ganz aufgeregt über die guten Resultate.»

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Forschung mit Stratpharma-Produkten

Von den Büros in Basel aus wird ein umfangreiches Forschungsprogramm mit Stratpharma-Produkten koordiniert. Aktuell laufen zwanzig unterschiedliche Protokolle für klinische Studien an weltweit 160 Standorten, und über 6000 Patienten sind in diese Studien involviert. Die Resultate werden in der Folge in den führenden medizinischen Wissenschaftsjournalen publiziert. Nicht nur bei Darren Kerr, auch bei seinen Mitarbeitenden ist eine grosse Begeisterung zu spüren, wenn die Rede auf die Studien kommt. Ebenfalls sehr gut schneidet hier das zweite konkurrenzlose Produkt von Stratpharma ab: Stratamark. Dieses Silikongel dient zur Prävention und Behandlung von Dehnungsstreifen, die häufig durch eine Schwangerschaft entstehen: «Wenn ich mit Gynäkologen und Dermatologen spreche, dann sind diese entzückt: Es gibt tatsächlich etwas, das gegen Schwangerschaftsstreifen wirkt!», so Darren Kerr. Die Erfolge in den Studien und die positiven Berichte in medizinischen Journalen sind sehr wertvoll für Stratpharma, um sich als kleines Unternehmen zu behaupten. Dieses Jahr wurden die Produkte bereits in China, Brasilien und Südafrika in den Handel gebracht; Russland, die USA, Südkorea und die Türkei werden folgen. Für die rasche Expansion in den ersten Jahren seines Bestehens war das Bereitstellen von Risikokapital durch die SVC AG für Stratpharma entscheidend. Das Ziel war, eine kleine Gruppe von Produkten rasch zur Marktreife zu bringen und diese in kleineren Märkten zu etablieren, um so eine nachhaltige Rentabilität zu erreichen. «Wir befinden uns heute wiederum an einem Punkt, wo wir eine Reihe von neuen Produkten zur Marktreife bringen und die globale Expansion vorantreiben möchten. Neu soll der Fokus auf den drei grossen Hauptmärkten liegen, den USA, Japan und Westeuropa», sagt Darren Kerr und sein Blick fällt auf die Bahnhofsuhr, denn in wenigen Stunden wird er mit den vielversprechenden Silikonprodukten im Gepäck nach London fliegen.

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