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SwissWinds

Pioniere im Gegenwind

Der höchstgelegene Windpark Europas steht seit Kurzem auf dem Gries im Wallis auf 2500 Metern über Meer. Ein Schwertransport in diese Gegend? Unmöglich, hiess es noch vor wenigen Jahren. SwissWinds liess sich davon nicht abschrecken.

Martin Senn, Unternehmer und Gründer von SwissWinds, blickt zu den drehenden Rotorblättern hoch und erzählt: «Wir mussten mehrmals fast bei null beginnen. Kurz vor dem Bau der ersten Pilotanlage 2011 zog sich der vorgesehene Lieferant zurück, weil er an unserer Fähigkeit zweifelte, das Windrad auf den Gries hinaufzubringen.» In Rekordzeit fand sich ein neuer Produzent, zwei Monate später begann der Aufbau auf 2500 Metern über Meer.

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Dazwischen lagen hektische Wochen der akribischen Planung: «Man kann mit einem 35 Meter langen Rotorblatt unterwegs nicht plötzlich stoppen und sagen: Diese Haarnadelkurve schaffe ich nicht», sagt Senn trocken. Ein spezielles Fahrzeug, mit dem die Rotorblätter auf den Berg transportiert werden konnten, existierte nicht – also liess SwissWinds eines anfertigen. Tunnel mussten gesperrt werden, Dörfer wurden ausgemessen, und an manchen Stellen entschieden wenige Zentimeter darüber, ob der Konvoi aus insgesamt elf Lastwagen überhaupt passieren konnte.

Auch in finanzieller Hinsicht gab es Engpässe zu beseitigen: «Die SVC AG sprang im richtigen Augenblick ein und unterstützte uns mit einem Kredit, als das Projekt abzustürzen drohte. Wir sind sehr dankbar, dass die SVC AG an uns glaubte», sagt Martin Senn heute. Die SwissWinds Development GmbH wurde 2008 als Start-up-Unternehmen am KMU-HSG (Schweizerisches Institut für Klein- und Mittelunternehmen) der Universität in St. Gallen gegründet. Die 10-Mann-Firma hat sich auf Windenergieanlagen in alpinen Regionen spezialisiert. Ziel ist, subventionsabhängige Randregionen in selbstversorgende Energieregionen zu verwandeln. SwissWinds hat ihren Standort strategisch gewählt: an einem Ort, wo die Berge steil sind und die Winde stramm wehen – bei Sion im Wallis.

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Standort und Kommunikation als Schlüssel

Ein Projekt beginnt lange vor der Realisation der Logistik: Die Wahl von geeigneten Standorten und die Akzeptanz in der Bevölkerung sind die Schlüssel für den Erfolg. Martin Senn hat dafür eine klare Strategie: «Wir reden mit den Bewohnern und durchlaufen den gesamten demokratischen Prozess. Die Bevölkerung ist nur zu gewinnen, wenn der Standort Sinn macht: Nie würden wir in einer unberührten Landschaft ein Projekt planen. Wir suchen geeignete Orte, die schon mit Infrastruktur versorgt sind», sagt er.

Mit der Wasserkraft des Griessees wird seit Jahrzehnten Elektrizität produziert. Die Masten, welche den Strom ins Tal transportieren, stehen bereits. Wie viel Strom der neue Windpark künftig liefern wird, ist noch offen, weil die seit dem Bau der Pilotanlage hinzugekommenen drei neuen Windräder mit 45 Meter langen Rotorblättern eine viel grössere Oberfläche bieten als die Pilotanlage. SwissWinds rechnet mit etwa zehn Gigawattstunden Strom pro Jahr, was der Versorgung von 2850 Haushalten entspricht. Martin Senn blickt wieder hoch zu den vier Rädern, die sich erstaunlich gut in die karge Landschaft einfügen, und sagt: «Die Energiestrategie 2050 des Bundes ist die Basis für solche Projekte. Wir haben hier für die Zukunft gebaut.»

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