Vollendet
Symbios Orthopédie SA

Die Gelenk-Architekten aus Yverdon

Symbios fand schon vor vielen Jahren eine Nische in der Herstellung individuell gefertigter Hüftgelenkimplantate. Nun will das innovative Unternehmen auch massgefertigte Kniegelenke herstellen – dies in einem Markt, der enormes Potenzial birgt.

Ein Mensch, der heute geboren wird, hat gute Chancen, hundert Jahre alt zu werden. Das ist eine lange Zeit, in der er Tennis spielen, Skifahren und Berge besteigen kann. Möglicherweise wird er auch fettleibig und bewegt sich wenig. In beiden Fällen wird er seine Gelenke sehr belasten. Doch selbst wenn er sehr ausgewogen lebt, werden sich seine Gelenkknorpel durch das lange Leben vielleicht irgendwann abgenutzt haben. Dann stellt sich die Frage: Soll das Gelenk ersetzt werden?

Symbios_2.jpg

Klug geplant spart Ressourcen

Der Weltmarkt für Knie- und Hüftimplantate wird heute überwiegend von vier grossen US-Unternehmen beherrscht. Jean Plé leitete einst für eine dieser Firmen das Europageschäft und machte sich 1990 mit Symbios selbständig: «Ich sah, dass es für die Implantate nennenswertes Verbesserungspotenzial gab, an dem die Multis schlicht nicht interessiert waren», erzählt er. Die Idee von Symbios ist bestechend: Das KMU produziert Hüftgelenke, die auf den Körper des Patienten zugeschnitten sind. Anhand einer Computertomografie des Patienten erstellt ein Symbios-Mitarbeiter mit einem 3-D-Konstruktionsprogramm am Bildschirm ein individuelles Gelenk. Ist der Arzt damit zufrieden, wird das Gelenk bei Symbios in Yverdon produziert. Chirurgen, die herkömmliche Hüftimplantate einsetzen, probieren während der Operation eine ganze Reihe von Implantaten aus. Ein Arzt, der mit Symbios-Produkten arbeitet, hat nur ein einziges Gelenk dabei – und er weiss schon vor der Operation, dass es passen wird.

Symbios_3.jpg

Kniegelenk nach Mass

Inzwischen stellt das innovative Unternehmen aus Yverdon nicht nur individuell gefertigte Hüftimplantate her, sondern ebenso Standardimplantate für Hüft- und Kniegelenke. Florent Plé, der Sohn von Jean Plé und seit Kurzem stellvertretender Geschäftsführer von Symbios, vergleicht: «Es ist wie beim Kauf eines Anzugs: Manchen Menschen passt ein Anzug ab Stange wie angegossen. Doch einigen sind die Ärmel zu lang, die Hosenbeine zu kurz oder der Bund zu weit.» Anders als beim Anzugkauf sind die Folgen eines nicht passenden Implantats jedoch weitaus gravierender. Aus der Fachliteratur über künstliche Kniegelenke weiss man, dass 30 Prozent der Operierten mit ihrer Prothese unzufrieden sind. Diese hohe Zahl war für Jean und Florent Plé Ansporn, auch die Herstellung individueller Kniegelenke anzugehen. Allerdings sind die Kosten der Entwicklung enorm. Symbios konnte die SVC AG als Investor überzeugen, und bereits laufen erfolgreiche klinische Tests, denn 2017 sollen die individuellen Kniegelenke auf den Markt kommen. Nicolas Faivre, Mitinhaber der Helvetica, betont: «Symbios hat die perfekte Nische gefunden, um neben den US-Grössen im Markt bestehen zu können. Das Marktpotenzial ist riesig, und es ist sehr wahrscheinlich, dass diesem KMU ein erhebliches Wachstum bevorsteht.»

Symbios_4.jpg

Dies könnte Sie auch noch interessieren: