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WeiTec AG

Gut in Form in China

Aus 10’000 Einzelteilen besteht heute durchschnittlich ein Auto, und für die Fertigung vieler dieser Teile werden individuelle Formen benötigt. Auf die Herstellung solcher Formen hat sich die WeiTec AG spezialisiert. CEO und Gründer Othmar Weibel erzählt von geschäftlichen Herausforderungen in China und neuen Ideen, die er mit Unterstützung der SVC AG umsetzen will.

WeiTec ist im Formenbau tätig. Was hat man sich darunter vorzustellen?

Wir sind Zulieferer der Automobilindustrie, hauptsächlich lassen wir für die drei grossen deutschen Autobauer produzieren: Mercedes, BMW und Audi. Die Einzelteile eines Fahrzeugs bestehen aus akkurat geformtem Blech, Aluminium oder Kunststoff. Wir sind in China verantwortlich für die Herstellung von solchen Formen, die bis zu 20 Tonnen wiegen können.

Warum wird in China produziert?

In der deutschen Fahrzeugherstellung besteht einerseits ein grosses Bedürfnis nach günstiger Produktion ohne Qualitätseinbussen. Das hatte ich vor gut zehn Jahren erkannt, bevor ich WeiTec gründete. Andererseits wuchsen damals BMW, Mercedes und Audi in China gerade sehr stark und benötigten für ihre chinesischen Fabriken Formen nach deutschem Standard.

Ist WeiTec denn nun ein schweizerisches oder ein chinesisches Unternehmen?

Wir sind ein Schweizer Unternehmen mit einer chinesischen Tochter. Zurzeit zählen wir in China 18 und in der Schweiz sechs Personen. Ein europäischer Kunde erhält die gesamte Beratung und Betreuung aus der Schweiz – von China bemerkt er in der Regel nichts.

Wie stellen Sie so die Qualität sicher?

In der Schweiz beschäftigen wir uns mit Projektierung, Zeitplan und Kostenkontrolle. In China wird gefertigt, aber nicht durch uns selbst, sondern durch chinesische Formenbauer, mit denen wir eng zusammenarbeiten. Für jedes Projekt trägt einer unserer chinesischen Ingenieure die Verantwortung. Er leitet den Formenbauer an und überwacht ihn sehr engmaschig, indem er zwei bis dreimal wöchentlich bei ihm ist.

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Wie haben Sie sich, vor allem anfangs, in China zurechtgefunden? War das nicht sehr schwierig?

Doch, die ersten fünf Jahre waren fordernd, oftmals frustrierend. Wir haben sehr viel Zeit, Energie und Geld verloren, und auch ich machte die klassischen Fehler, die man in einer komplett fremden Kultur leicht macht.

Was waren das für Fehler?

Ich habe sehr grosse Verträge mit chinesischen Firmen unterschrieben – und das Geld dann nie gesehen. In China gibt es immer tausend Möglichkeiten. Viele Projekte werden an einen herangetragen – da ist das Risiko sehr gross, dass man auf zu vieles setzt oder sich mit den falschen Leuten zusammentut, weil man meint, das Denken der Chinesen verstanden zu haben.

Dann sind es hauptsächlich die Mentalitätsunterschiede, die schwierig sind?

Die Kultur ist ganz anders, und das chinesische Denken werde ich in diesem Leben vermutlich nicht mehr verstehen. Aber ich habe gelernt, in China zu arbeiten und die vielen Vorzüge zu schätzen.

Worauf sprechen Sie da besonders an?

Typisch für China sind der Fleiss und die Energie. Wenn es nötig ist, wird rund um die Uhr gearbeitet. Wenn man den Chinesen die richtige Information gibt, sie richtig instruiert, sind unwahrscheinliche Sachen möglich: sehr gute Qualität in kurzer Zeit zu attraktiven Preisen. Sorgfältige Kommunikation ist dafür aber unabdingbar.

Nun unterscheidet sich ja aber offenbar genau die Art der Kommunikation sehr von unserer. Wie gehen Sie damit um?

Ich musste lernen, dass sich der durchschnittliche chinesische Arbeiter am wohlsten fühlt, wenn er ganz genaue Vorgaben kriegt. Schwierig wird es, wenn ich etwas Neues ausprobieren möchte und sage: «Mach mal!» Der Durchschnitts - chinese ist es nicht gewohnt, Verantwortung zu übernehmen, denn Kreativität birgt immer ein Risiko. Dass man das mit gutem Projektmanagement kompensieren kann, ist ihm im Gegensatz zu uns nicht bewusst.

Dann sind Sie in China ein richtiger Patron?

Ja, leider besteht ein grosses Gefälle zwischen Chef und Mitarbeitenden: Es dauert beispielsweise mehrere Jahre, bis ein Angestellter mit seinem Chef auch nur leiseste Zweifel am Arbeitsprozess oder Produkt teilt. Dabei wäre ich um solche Feedbacks sehr froh! Aber wir haben einen Weg gefunden, die schweizerische und die chinesische Kultur zu vereinen. Wesentlich ist, dass wir unseren chinesischen Mitarbeitenden Sorge tragen.

Wir haben jetzt eher über die Anfänge von WeiTec in China gesprochen. Wo stehen Sie heute?

Im Formenbau konnten in wir uns in den zehn Jahren unseres Bestehens etablieren. Von Seiten der Automobilhersteller wird immer stärker gewünscht, dass wir uns in Richtung Gesamtanlagen bewegen, in Zukunft also nicht nur einzelne Formen liefern, sondern die ganzen Anlagen, in denen sich die Pressen mit unseren Formen befinden. Mit unseren Mitarbeitenden und Verbindungen in China erfüllen wir eigentlich alle Voraussetzungen dafür. Das Problem lag bisher bei den fehlenden finanziellen Ressourcen. Mit der Unterstützung der SVC AG wollen wir nun einen neuen Weg beschreiten.

Wie kamen Sie zur SVC AG?

Der Kontakt entstand durch WeiTecs CFO, der sich für die finanziellen Belange der Wachstumsstrategie verantwortlich zeichnet. Seit April 2014, als die Zusammenarbeit mit dem Team der SVC AG begann, hat sich viel getan. Ich staune über dessen Professionalität: Was wir machen, ist nicht ganz üblich für die Schweiz, doch die Leute der SVC AG arbeiteten sich rasch in unser Geschäft ein, wussten bald, wo welche Autos produziert werden, was die Automobilindustrie erwartet und wo das Wachstumspotenzial liegt. Sehr bald führten wir Gespräche auf Augenhöhe.

Worin genau besteht denn die Zusammenarbeit mit der SVC AG?

Die SVC AG wirkt als Partner bei der Überwachung des Geschäfts unterstützend. Die Gefahr für einen Ingenieur ist ja immer, dass man über technisch reizvollen Aufgaben die Rentabilität vernachlässigt. Wir erhalten aber nicht nur strategische Unterstützung, sondern auch eine massgeschneiderte Finanzierung, was für die Umsetzung der Wachstumsstrategie entscheidend ist. Die SVC AG hat dieses erkannt und ist mit uns einig, dass unser Potenzial grösser wird, wenn wir unsere Tätigkeit auf weitere Bereiche des Anlagenbaus ausweiten.

Erlegt Ihnen die SVC AG dafür Bedingungen auf?

Durch das starke Firmenwachstum ist es unabdingbar, die Abhängigkeiten von einzelnen Personen zu reduzieren – ein Bereich, wo die SVC AG konsequent und völlig zu Recht Druck ausübt. Ein weiterer Bereich ist die Nachfolgeregelung: Ich bin auch hier froh darum, dass ich diesen Prozess nun mit Unterstützung eines erfahrenen Partners aufnehmen kann, auch wenn mir bei der «Institutionalisierung» der Organisation und der Einführung neuer Corporate-Governance-Regelungen gewisse «Freiheiten» genommen wurden. So sehe ich in diesen Aspekten aber richtige und wichtige Weichenstellungen für eine nachhaltig erfolgreiche Nachfolgeplanung. Schliesslich haben wir mit der SVC AG einen Partner, mit dem es nicht nur möglich ist, in kleinen Schritten vorwärtszukommen. Jetzt können wir auch mal einen Sprung wagen.

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